Wieviel Mama-Zeit bekommt mein Kind?

Ein Tag hat nur 24 Stunden. Wir wollen diese Stunden intensiv nutzen und zugleich möglichst viel Zeit mit unseren Kindern verbringen. Gerade als Working Mom wird diese gemeinsame Zeit noch kostbarer. Denn es gibt nichts zu beschönigen: wir haben weniger davon als Vollzeit-Mamas.

Die kostbare Zeit mit meiner Tochter

Gegen Ende meiner Karenz überlegte ich, mit wie vielen Wochenstunden ich in den Arbeitsalltag zurückkehren möchte. Wie Ihr bereits hier gelesen habt, stieg ich Teilzeit mit 30 Wochenstunden wieder ein.

Zur Diskussion standen für mich nun vier oder fünf Arbeitstage in der Woche. Ein freier Tag für mich oder ein Tag mehr gemeinsam mit meiner Tochter klangen sehr verlockend. Ich wusste aber auch, dass sich in meinem Beruf ein arbeitsfreier Tag nur sehr schwer bewerkstelligen lässt. Zu oft finden auch an einem Freitag interne oder externe Meetings statt. Und ich kenne mich, ich hätte dann teilgenommen und schleichend immer mehr gearbeitet. Auch bei einer pünktlichen Einhaltung der Arbeitszeit und einem realistisch schaffbaren Arbeitsbeginn um 8 Uhr wäre ich vor 16.30 Uhr nicht daheim gewesen. Das war auch mit der damaligen Tagesmutter nicht machbar, sie betreute die Kinder nur bis 15 Uhr. So entschied ich mich für eine tägliche Arbeitszeit von sechs Stunden. Dies hat auch den Vorteil, dass man arbeitsrechtlich noch keine Pause machen muss. Trotzdem ist man jeden Tag im Büro, kann sich austauschen und verpasst weniger.

Es geht um jede Minute

Als analytische Frau begann ich zu rechnen: Wie lange ist meine Tochter in außerfamiliärer Betreuung? Wie viel Zeit verbringe ich täglich mit ihr? Es mag vielleicht ungewöhnlich klingen, aber ich rechnete wirklich die Stunden nach:
6.30 Uhr – Aufstehen
7.30 Uhr – Haus verlassen
8.00 Uhr – Arbeitsbeginn
14.30 Uhr – Tochter abholen
19.30 Uhr – Zu Bett gehen
Nach Adam Riese blieben mir also täglich eine Stunde in der Früh und am Nachmittag fünf gemeinsame Stunden, bevor ich meine Tochter in den Schlaf kuschelte. Und ich gebe zu, das bereitete mir Bauchweh.

Ein kleiner wissenschaftlicher Exkurs

Nur mehr sechs gemeinsame Stunden am Tag? In der Karenz waren meine Tochter und ich doch so gut wie jede Sekunde zusammen gewesen. Ich war bei jedem Entwicklungsschritt dabei, bei jedem Lächeln, bei jedem Hoppala – einfach überall.

Als ich deswegen wieder einmal nicht schlafen konnte und im Internet surfte, stieß ich auf eine Studie von Caroline Berghammer, einer Soziologin der Universität Wien. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Zeit, die beruftstätige und nicht-berufstätige Eltern mit ihren Kindern verbringen. Analysiert wird dies mittels Zeitbudgetanalysen; die Studienteilnehmer notieren jede Viertelstunde, womit sie gerade ihre Zeit verbringen (Hut ab vor diesen Studienteilnehmern!).

Ein Ergebnis dieser Studie, das ich sehr spannend fand: Erwerbstätige Frauen mit einer täglichen Arbeitszeit von sechs Stunden verbringen nur um 1,5h pro Tag weniger aktive Zeit mit ihren Kindern als nicht berufstätige Frauen. Das ist laut dieser Studie vor allem darauf zurück zu führen, dass Mütter die Zeit für sich selbst und die gemeinsame Zeit mit dem Partner einschränken. Dieser Erkenntnis kann ich absolut zustimmen!
Ich hetzte nach Hause, wollte jede kostbare Minute mit meiner Tochter nutzen, die Zeit für mich blieb auf der Strecke. Sport, was ist das (oh wie fleißig war ich in der Karenz bei Mamafit)? Freundinnen mussten sich mit WhatsApp begnügen, Treffen am Abend waren (noch) nicht drin, auch jedes Playdate wurde überlegt. Gemeinsame Zeit mit meinem Mann beschränkte sich vor allem auf uns beide müde auf der Couch sitzend. Was mir jedoch trotz der wunderbaren Zeit mit meiner Tochter am meisten fehlte und noch immer fehlt ist Zeit für mich alleine. Ich freue mich über jede Stunde, die ich einfach allein in unserer Wohnung verbringen kann. Nur für mich! Aber ich schweife ab…

Ein weiterer Grund für diesen relativ geringen Unterschied der gemeinsamen Zeit liegt in der Zeitaufwendung für Hausarbeit, diese wird zugunsten der Kinderzeit reduziert. Wer braucht schon einen perfekten Haushalt, wenn man mit Fingerfarben wunderbar das Fenster anmalen kann?
Ich bin in der wirklich glücklichen Lage, einen tollen (Haus-)Mann geheiratet zu haben, er trägt deutlich mehr zur Hausarbeit bei als ich. Wenn dies im Familienbudget möglich ist, wäre der Arbeitseinstieg vielleicht der richtige Zeitpunkt um über eine Putzhilfe nachzudenken? Wer mag schon Fenster putzen oder bügeln, wenn man auch „Obstgarten“ spielen oder in die Fantasiewelt der Feen abtauchen kann?

Everything I do, I do it for you…

Noch wichtiger als diese statistischen Daten ist aber das WIE der gemeinsamen Zeit, die wir berufstätigen Mütter mit unseren Kindern verbringen.
Sind wir mit voller Aufmerksamkeit bei unseren Kindern? Verbringen wir Qualitätszeit mit Spielen, Malen, Kuscheln, Lesen, Basteln, Reden, was auch immer? Oder spielen wir nebenbei am Handy? Telefonieren wir, checken unsere Mails? Sind wir in Gedanken noch im Job? Wenn ja, hier findest du meine Strategie um den Arbeitstag gut hinter dir zu lassen und entspannter in den Nachmittag mit deinen Kindern zu starten.
Jede Minute, die wir unseren Kindern mit voller Aufmerksamkeit widmen, ist eine kostbare und wichtige Minute für unsere Lieblinge!

La le lu, nur der Mann im Mond schaut zu

Am Ende des Tages verbringe ich mit meiner Tochter die innigste Zeit. So mühsam es manchmal sein kann – Mama, ein Wasser. Mama, noch ein anderes Buch. Mama, wo ist mein Eisbär? – so sehr genieße ich diese letzten Minuten am Ende eines Tages. Wir reden miteinander, ich lese vor, ich singe ihr Lieblingslied „La le lu“. Wenn sich ihr kleiner Körper dann an mich schmiegt, sie ihre Füße an mir wärmt und mich bittet „Mama, Wange streicheln“.
Wenn ihre Atemzüge immer ruhiger werden, bis sie in meinen Armen einschläft – dann weiß ich, dass ich jeden Tag als Mama mein Bestes gebe.

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