Das schlechte Gewissen, mein ständiger Begleiter?

Als Working Mom hat man täglich viel zu tun. Job und Familie, Haushalt, Freunde, Sport, wenigstens noch ein bisschen Me-Time.  Immer voll da – als Mama und als Angestellte? Vereinbarkeit ohne schlechtes Gewissen – geht das überhaupt?

Zurück im Job – motiviert wieder durchstarten

Die Eingewöhnung bei der Tagesmutter ist abgeschlossen, das Lausmädel fühlt sich dort wohl. Ich freue mich, wieder zu arbeiten. Ja, ihr habt richtig gelesen – ich freu mich aufs Büro! Ich genieße die Musik auf meinem Arbeitsweg im Autoradio, ich singe laut mit – Ö3 und nicht Radino.
Ich freu mich auf meine Arbeit, meine Kollegen, den heißen Kaffee, und – ich gebe es zu – den alleinigen Toilettengang!

Meine Arbeit macht mir Spaß und gibt mir die Zufriedenheit, auch wieder ein „zweites“ Leben außerhalb von Windeln, Kuscheltieren oder Laufrad zu haben. Im Job die Bestätigung zu bekommen, Projekte abschließen, Lob erhalten, Erfolge feiern – das brauche ich.

…und versuchen, pünktlich heimzukommen

Am Nachmittag bemühe ich mich pünktlich nach Hause zu kommen. Ab jetzt bin ich Mama, meine ungeteilte Aufmerksamkeit gehört meiner Tochter! Und dann kommt das schlechte Gewissen. Das unbeantwortete Mail, das Meeting, an dem ich nicht teilnehmen kann, die Korrekturen, die ich dem Grafiker doch nicht mehr weitergegeben habe. Ich verbringe kostbare Zeit mit meiner Tochter und hab ein schlechtes Gewissen gegenüber meinem Arbeitgeber…

Welche berufstätige Mama kennt das schlechte Gewissen nicht? Der Familie gegenüber, dem Arbeitgeber gegenüber, dem Partner, den Freundinnen, der Familie… Wir wollen überall perfekt sein, überall unser Bestes geben. Wir wollen uns im Job die kurze Nacht nicht anmerken lassen und unseren Kindern nicht zeigen, dass wir einen anstrengenden Tag im Job hatten.

Meine Gegenstrategie zum schlechten Gewissen: nutze die kostbare Zeit!

Was mir sehr half, mit diesem schlechten Gewissen umzugehen, war die Erkenntnis: Es geht nicht um Quantität der Zeit mit meiner Tochter, sondern um die Qualität! In der gemeinsamen Zeit mit meiner Tochter haben sie und ihre Bedürfnisse absolute Priorität! Da wird gekuschelt, gespielt, gesungen und durch die Wohnung getanzt. Auch ganz normale Alltagstätigkeiten wie einkaufen, kochen oder Wäsche aufhängen werden gemeinsam gemacht.

Ich kann nicht ausschließen, dass nicht doch einmal eine wichtige Telefonkonferenz am Nachmittag stattfindet oder ein Mail beantwortet werden muss. Für meine Kollegen sorgt es für Erheiterung, wenn es im Hintergrund tönt: „Mamaaaaa, Lulu fertig, abputzeeeen!“. Meine Tochter zeigt mir auch energisch, wenn sie in solchen Situationen wieder meine Aufmerksamkeit möchte: da wird schon der Laptop zugeklappt oder das Handy aus der Hand genommen. Mama, ich bin wieder dran!

Alle fünfe gerade sein lassen

Ich lerne tagtäglich, mich vom Streben nach Perfektion zu verabschieden und meine Prioritäten zu setzen oder zu überdenken. Im Job und in der Familie. Als Teilzeit-Beschäftigte habe ich gelernt, noch effizienter zu arbeiten, auch einmal „nein“ zu sagen und – wo möglich – zu delegieren. Als Mama versuche ich bei vielen Dingen entspannter zu sein und unser Leben so gut wie möglich zu planen. Der Boden muss nicht blitzblank sein, die Bettwäsche nicht gebügelt und die kleinen Fingertappser wirken auf ungeputzten Fenstern noch süßer.

Liebe Working Moms – weg mit unserem schlechten Gewissen! Wir stehen tagtäglich unsere Frau, wir leisten so viel für unsere Familie und für unseren Beruf. Wir leben unseren Kindern die Vereinbarkeit vor, wir zeigen ihnen, was wir Frauen alles schaffen!

Mein Credo mittlerweile lautet: ist die Mama glücklich, ausgeglichen und zufrieden, ist es auch das Kind.
Und ich bin glücklicher, ausgeglichener und zufriedener, wenn ich berufstätig bin und auch außerhalb der Familie meine Bestätigung erhalte!

Wie geht es euch damit? Kennt ihr dieses schlechte Gewissen auch?

2 Gedanken zu “Das schlechte Gewissen, mein ständiger Begleiter?

  1. Veronika von erziehungsgedanken.com schreibt:

    Hallo Ina!

    Alle arbeitenden Mütter können deine Gefühle gut nachvollziehen können; dieses Gefühl, immer auf dem Sprung zu sein, nirgends ausreichend Zeit zu haben oder allem gerecht zu werden.
    Ich glaube aber auch, dass sich das Gefühl nie wirklich abstellen lässt. Es ist vielmehr so: Eltern müssen entscheiden, welcher Weg sich für ihre Familie richtig anfühlt. Er kann immer wieder angepasst werden und er ist so individuell wie jede Familie!

    Schöne Grüße
    Veronika

    Gefällt 1 Person

    • mamawirtschaft schreibt:

      Liebe Veronika,

      danke für dein Kommentar – das erste am Blog 🙂
      Ich denke, so wie schreibst – jede Familie muss ihren eigenen Weg finden – und jede andere Familie sollte diesen Weg wertfrei „gestatten“. Das ist für jeden eine Herausforderung!

      Gefällt mir

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